Wir sind es gewohnt, von der Ursache zur Wirkung zu denken. Etwas passiert, wir suchen nach dem Grund und ziehen daraus unsere Schlüsse. Doch was wäre, wenn wir unseren Gedankenfluss einmal umdrehen und die Sache von der anderen Seite betrachten? Warum nicht einfach einmal von hinten denken?

Was passiert, wenn wir nicht bei der Ursache beginnen, sondern bei der Wirkung?

Wer kennt es nicht? Da ist eine immer wiederkehrende Thematik in Partnerschaften, die sich wie ein roter Faden durch dein Leben zieht. Du triffst stets die falschen Partner und fragst dich, warum du nicht einmal in einer glücklichen Beziehung leben darfst? Warum nur immer du?

Du lebst dein ganzes Leben lang im Mangel. Du klagst durchgehend über zu wenig Geld, den falschen Job, die falschen Vorgesetzten, die falschen Umstände. Dadurch hast du gar keine Möglichkeit, auf einen grünen Zweig zu kommen, so sehr du dich auch bemühst. Warum trifft es immer dich?

Wir denken meistens linear. Das haben wir so gelernt. In diesem Denken gibt es eine Ursache und diese führt dann zu einer bestimmten Wirkung: falscher Partner, viel Streit, ich bin unglücklich – also ist er schuld an meiner Lebenssituation.

Ein anderer Mensch hat sich mir gegenüber falsch verhalten, deshalb geht es mir nicht gut. In meiner Familie waren immer alle schon so, also verhalte ich mich auch so. Die Umstände sind eben so, also muss ich mich mit der Auswirkung auf mein Leben abfinden.

Damit ist die Wirkung gewissermaßen immer schon durch die äußeren Umstände festgelegt. Ich kann nichts tun, ich bin dem Lauf des Lebens ausgeliefert, ich beginne womöglich sogar zu resignieren, verliere wertvolle Lebensenergie in solchen negativen Spiralen.

Und gleichzeitig liegt die Verantwortung für die Veränderung dann außerhalb von mir. Würde sich der Partner anders verhalten, dann wäre ich glücklich. Hätte ich einen besseren Job, dann wäre mein Leben einfacher.

Doch ist das wirklich so? Müssen wir uns mit der Wirkung abfinden? Können wir diesen Kreislauf womöglich durchbrechen und ihn aus einer anderen Perspektive heraus betrachten? Können wir die Wirkung vielleicht sogar in die andere Richtung lenken?

Natürlich kann eine bestimmte Ursache eine Wirkung haben. Wenn jemand etwas sagt oder tut, das dich verletzt, erlebst du die Auswirkung dieses Handelns. Du bist womöglich tief verletzt und dir geht es richtig schlecht. Es zieht dich runter, tagelang, wochenlang. Muster wiederholen sich und du wirst immer verbitterter.

Die Frage ist allerdings, wie du damit umgehst. Und das ist der Moment, in dem wir eingeladen sind, einmal innezuhalten und von hinten zu denken.

Doch das erfordert Offenheit und Mut, denn in diesem Gedankengang setzen wir nicht wie bisher im Außen, sondern bei uns selbst an. Wir hören auf, die Verantwortung für unser eigenes Erleben ausschließlich bei anderen zu suchen. Wir stoppen diesen Gedankengang. Da ist eine Ursache und deshalb geht es mir jetzt schlecht.

Und zugleich holt uns diese Veränderung in der Betrachtung aus dieser lähmenden Passivität heraus, die uns zum willkürlichen Spielball der Umstände macht.

In dem Moment, in dem wir uns trauen, einmal auf uns selbst zu schauen, da beginnen wir, in Lösungen zu denken.

Beginne, aktiv zu gestalten, Schritt für Schritt. Jeder kleinste Gedanke in diese Richtung ist es wert, gedacht und gefühlt zu werden. Und aus jedem einzelnen Gedanken entstehen neue Impulse, neue Möglichkeiten, neue Denkräume. All das beginnt mit einer ganz bewussten Entscheidung, ehrlich hinzusehen und das eigene Verhalten zu reflektieren. Gewohnte Denkmuster zu durchbrechen. Lebenslange Rollen zu hinterfragen, neu zu denken, weiterzudenken, größer zu denken.

Beobachte, was die Wirkung in dir auslöst. Gefällt dir, was du da beobachtest? Was macht diese Wirkung mit dir – und was machst du daraus?

Kann es sein, dass nicht immer nur der andere, dein Partner, dein Kind oder deine Eltern schuld sind an deiner jetzigen Lebenssituation, mit der du noch nicht ganz zufrieden bist?

Das bedeutet nicht, dass der andere keine Verantwortung für sein Verhalten trägt. Aber ich darf mich fragen, welche Verantwortung ich für meinen Umgang damit übernehme.

Es ist immer einfach, anderen oder den Umständen die Schuld oder Verantwortung zuzuschreiben. An einer Interaktion sind mindestens zwei Menschen beteiligt. Und auch wenn ich nicht für das Verhalten des anderen verantwortlich bin, kann ich mich fragen, welchen Anteil ich an der Dynamik habe und was ich selbst verändern kann.

Also sei ehrlich mit dir. Frage dich, welchen Anteil du daran trägst, dass du vielleicht bisher nicht so ein glückliches Leben führst, wie du es dir gerne wünschen würdest.

Und dann schau, was du verändern kannst. Was kannst du aktiv tun, um deine Situation, deren Wirkung dir derzeit vielleicht noch nicht zusagt, zum Besseren zu wenden?

Was mache ich mit dem, was daraus entsteht?

Setze neue Ursachen. Und dann schau, wie sich die Wirkung verändert.

Ein Versuch ist es immer wert. Das nenne ich Eigenverantwortung – und zwar auf allen Ebenen unseres Lebens. Was für eine Chance!

Vielleicht lohnt es sich manchmal, den gewohnten Gedankenfluss bewusst umzudrehen. Nicht, um die Ursache zu leugnen oder anderen ihre Verantwortung abzunehmen, sondern um wieder selbst ins Handeln zu kommen.

Ich kann die Ursache nicht immer verändern. Aber ich kann die Wirkung betrachten – und entscheiden, ob ich sie weiterhin so erleben möchte.