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Im Laufe eines Lebens werden zahlreiche Menschen mit dem Zusammenbruch ihres Weltbildes konfrontiert. Bei dem einen sind es private oder gesundheitliche Krisen, bei anderen sind es äußere Bedrohungen und einschneidende Veränderungen, die alles infrage stellen.

Auch ich erlebte einen Moment, der mich dazu brachte, das Bild meiner Realität zu hinterfragen. Jahrzehntelang sah ich keinen Grund, daran zu zweifeln. Doch im Jahr 2020 trat eine neue Wirklichkeit in mein Leben, die meine Wahrnehmung erschütterte. Ich durfte lernen, neu zu denken und begann später, mich Schritt für Schritt wieder zu stabilisieren – ein Prozess, der wohl niemals abgeschlossen sein wird. Solche Veränderung passiert nicht über Nacht. Meiner Erfahrung nach durchläuft man dabei verschiedene Phasen und Seinszustände. Dieser Prozess wird oft auch als ‚Aufwachprozess‘ bezeichnet.“

„Aufwachen“ bedeutet für mich, in ein bewussteres Sein zu erwachen – sozusagen zu Bewusstsein zu kommen. Es geht darum, die eigene Wahrnehmung zu stärken, seine Potenziale zu erkennen und zu verstehen, wer wir wirklich sind und welche gestalterischen Fähigkeiten tief in uns verborgen liegen.

Leider haben wir diese Geschenke der Schöpfung bisher nicht umfänglich wahrgenommen, entwickelt oder ausgebildet. Wahrscheinlich aus einer allgemeinen Unwissenheit heraus. Doch diese schöpferischen Potenziale ruhen noch immer in uns, wie ein zarter Samen, der nur darauf wartet, gewässert zu werden, um endlich zu neuem Leben zu erwachen.

Irgendwann im Laufe des Lebens erreicht uns hoffentlich der Impuls, der uns in ein bewussteres Sein und Wahrnehmen führt. Wann und ob dieser Moment eintritt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Diejenigen, bei denen dieser Impuls bisher nicht angekommen ist, haben entweder den Ruf ihrer Seele überhört oder sie haben sich – meistens unbewusst – geweigert, ihn wahrzunehmen. In diesem Fall haben sie dieses “Anklopfen” der eigenen Seele womöglich aufgrund kognitiver Dissonanz erfolgreich verdrängt.

Jeder Mensch trägt wohl diesen Samen des Erwachens in sich. Bei dem einen wird er schon in der Kindheit aktiviert, bei dem anderen erst viel später oder sogar nie. Doch woran liegt es letztlich, ob dieser Samen tatsächlich aufgeht?

Wir alle haben einen Seelenplan, mit dem wir auf diese Erde kommen und den wir erfüllen sollen. Unsere Seele ist hier, um Erfahrungen zu sammeln, die sie sich für diese spezielle Inkarnation vorgenommen hat. Und diese macht sie in diesem Körper. Das bedeutet darüber hinaus, dass wir nicht nur einmal inkarniert sind, sondern bereits viele Male auf diesem Planeten gelebt und gewirkt haben. Mit der Geburt vergessen wir jedoch, wer wir wirklich sind. Wir identifizieren uns zunächst ausschließlich mit unserem Körper und übersehen dabei gerne die eigene Seele, die uns stets weise begleitet und schützend durch dieses Leben führt. Denn sie ist die Verbindung zu dem großen Ganzen, dem Göttlichen, mit dem wir alle verbunden sind, auch wenn wir es zunächst vergessen haben sollten.

Wir haben also einen Körper, einen Geist und eine Seele. Und diese Seele ist unsterblich. Folglich sind wir nicht unser Körper, denn er ist lediglich das Gefährt, das Kleid, das dem wahren Selbst hier auf der Erde zur Verfügung steht. Damit können wir Herausforderungen und Krisen mit weniger Angst und dafür mit mehr Souveränität begegnen und deutlich bewusster als bisher durch das Leben gehen.

Was passiert noch, wenn wir aufwachen?

Aufwachen ist wie eine Art zu „sterben“. Denn die alte Weltanschauung, die wir bislang als einzig wahre Realität angenommen haben, zerbricht. Damit wird das Fundament unseres Lebens erschüttert. Aufwachen ist ein Prozess, bei dem das „falsche Alte“ – oftmals schmerzhaft – losgelassen werden muss, damit nach der Leere etwas Neues, Gesundes, Wahrhaftigeres Platz finden kann.

Um diesen Gedanken besser zu veranschaulichen, hilft hier ein Vergleich mit einem Wasserglas: Das Glas muss zuerst vollständig geleert werden, damit es dann mit frischem, reinen Wasser gefüllt werden kann. Im Aufwachprozess sind es dann nach dem Zusammenbrechen und dem Abräumen der Trümmer die neuen Erkenntnisse, Erfahrungen, eigene Wahrheit und bislang unentdeckte Möglichkeiten für persönliche Entwicklung, für die im Laufe der Zeit Platz geschaffen wird.

Nun beginnt der Aufbau, die Gestaltung der neuen Wahrheit, der eigenen Authentizität und Stabilität, mit meinen Empfindungen, meinem Verstand, meinem Wissen und meinen Erfahrungen abzugleichen und ständig weiterzuentwickeln. Es ist der Beginn eines Prozesses der Neugierde, des Wissensdurstes und des Mutes, die Welt und insbesondere sich selbst neu zu entdecken. Doch jetzt ist es nicht mehr das private Umfeld oder die Gesellschaft, die mir diese Realität vorgibt. Ab diesem Punkt begreifen wir langsam, dass es ausschließlich unsere Entscheidung ist, zu mehr bewusstem Sein zu erwachen. Damit wir erkennen, wer wir wirklich sind und welch ungeahnte Kräfte und Potenziale in uns schlummern, die darauf warten, zum Leben erweckt zu werden.

Das wird wahrscheinlich dann die spannendste Reise, die wir hier auf dieser Erde antreten dürfen.